Zur Home
 
 
 
 

Alle 7 Jahre zwischen dem Dreikönigstag und Faschingsdienstag findet der Schäfflertanz in München statt. Schäffler sind Faßmacher, deren Beruf langsam ausstirbt. Schäffler machen nicht nur Bierfässer aus Holz sondern früher eben auch Scheffel, die man übrigens auch Schäffel schreiben kann. Auch all die anderen Hohlmaße aus Holz, Kübel und Bottiche haben sie hergestellt.

In anderen Teilen Deutschlands nennt man sie, abgeleitet von Bottich, auch Böttcher.

 

1 Loth=4 Quint=17,5 g

1 Quint=4 Pfennig-Gewichte =4,375 g

1 Pfennig-Gewicht=
15 Gran=1,0938 g

 

Auch hier eine Anmerkung für die, die es genau wissen wollen.

Im Jahre 1845 gehörte die Pfalz zu Bayern. Nein, nicht die Oberpfalz, die gehörte selbstverständlich auch damals schon zu Bayern, ich meine die Rhein-Pfalz. Aber schau dir doch mal hier die Karte an.

Die Rheinpfalz liegt nahe an Frankreich und war zu Napoleons Zeiten lange französisch besetzt. Deswegen ist das Maßsystem in der Rheinpfalz moderner, französischer, revolutionärer.

In der Pfalz wurde bereits das Pfund zu 500g verwendet. es wurde ebenfalls in 32 Loth eingeteilt. Dieses Pfund mit 500 Gramm nannte man auch Zollpfund und war die gesetzliche Haupteinheit beim Zollamtsgewicht.

1 Zollpfund = 32 rhein. Loth = 500 Gramm
1 Zoll-Loth = 15 5/8 g

Und dann gab es da noch das Apothekerpfund mit 360 Gramm.

1 Apoth.-Pfund =
12 Unzen =
96 Drachmen =
288 Scrupel =
5760 Gran

 
 

Bayer. Infantrist mit Muskete um 1810

Wenn du in den Aufgaben immer von Patronen liest, dann darfst du dir keine Patronen im heutigen Sinn vorstellen, die man seitlich ins Gewehr schiebt und dann abschießt.

Wenn der Infantrist oben schießen wollte, nahm er eine solche papierne Patrone aus seiner Patronentasche, öffnete sie, schüttete das Pulver vorne in Lauf, zog mit den Zähnen die Kugel (das waren wirklich noch Kugeln) aus der Patrone und die musste jetzt auch von vorne in den Lauf. Hätte man sie so einfach reinfallen lassen, dann hätte sie da drinnen herum geklappert und gescheppert und hätte auch wieder rausfallen können. Deswegen wickelte man die Kugel (2 cm Durchmesser!) in ein eingefettetes Zündläppchen. Diesen Propfen schob man vorne in die Muskete. Da das Läppchen eingefettet ist, kann man diesen Propfen mit dem Ladestock ganz in die Muskete reinschieben.

Jetzt kam aus der Zündpulverflasche noch Zündpulver auf das Zündloch. Das Schloß wurde gespannt, zog man jetzt am Abzug, wurde wie bei einem Feuerzeug, aus einem Feuerstein Funken geschlagen, das Zündpulver wurde entzündet, die Zündflamme fraß sich durch einen kleinen Kanal ins innere der Muskete und entzündete dort das Schießpulver und der Schuß ging los.

 
Rechnen mit Spaß lernen

 
Königl. Bayer. Armee-Mathematik (1)
 
     
 

Grüß Gott! Wir machen heute eine Zeitreise um den Vater des Großvaters deines Großvaters zu treffen. Wie viele solcher Väter hast du wohl und in welche Zeit kämen wir dann ungefähr? Versuche es zuhause zu erfragen. Das auf dem Bild rechts könnte dieser Vater des Großvaters vom Großvater sein.

Wir befinden uns etwa im Jahre 1845. Napoleon hat vor 30 Jahren abgedankt, Ludwig I. König von Bayern regiert nun schon seit 20 Jahren und hat noch 3 Jahre vor sich. Du sitzt in einer Königl. Bayer. Regiments-Schule und verfolgst den Rechenunterricht.

Aufgabe 1

24 Pferde sollen mit 12 Scheffel 1 Viertel 4 Mäßlein Hafer 5 Wochen ausreichen; wie viel bekömmt jedes Pferd in 1 Woche? Rechne zunächst mit den alten Maßeinheiten und gib dann das Ergebnis noch in Liter an.

Was ist ein Scheffel? Wie viel Viertel gehen auf einen Scheffel? Was ist ein Mäßlein? Wenn wir so alte Aufgaben lösen wollen, dann müssen wir uns mit den alten Maßeinheiten beschäftigen

 
     
 

1 Scheffel = 6 Metzen

 

 

 

 

 

 

 

Was ein Scheffel genau ist, können zwar die wenigsten Leute sagen, aber fast alle wissen, dass man kein Licht darunter stellen soll. Das kommt von der bekannten Redensart her: Man soll sein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Das heisst, man soll nicht zu bescheiden sein, soll seine Verdienste und Leistungen nicht aus Bescheidenheit verbergen. Nur in dieser Redensart ist das Wort «Scheffel» im Sprachgebrauch noch lebendig. Anderweitig wird «Scheffel» nicht mehr verwendet.

Natürlich ist nicht einfach das Wort ausser Gebrauch gekommen, sondern vor allem auch die damit bezeichnete Sache. Ein Scheffel ist ein altes Hohlmass unterschiedlicher Grösse für Getreide, ein hölzernes Gefäss mit einem Volumen zwischen 5 und 250 Litern, das als Mass für Getreide diente. Dass eine Masseinheit mit unterschiedlicher Grösse verwendet wird, ist übrigens in früheren Zeiten durchaus nichts Ungewöhnliches.

 
     
 

Das Bild oben ist übrigens ein Scheffel aus der Schweiz. Ein bayerischer Scheffel war ein viel größeres Fass. Es gingen 222,35 Liter hinein. Doch ausgeschaut hat er ähnlich. Oben gab es eine eiserne Querstrebe damit man den Scheffel tragen konnte.

In einen Scheffel gingen 6 Metzen hinein. Bei Getreide und Mehl ist der altbayerische Metzen im Jahr 1845 immer noch die gesetzliche Haupteinheit. Bei der Unterteilung des Metzens muss man etwas aufpassen, da hier einige Begriffe für unsere heutige Zeit verwirrend gebraucht werden.

Ein Metzen wird in 2 halbe Metzen unterteilt, die man aber 'Viertel' nennt!

1 Viertel hat 8 Mäßlein!

1 Mäßlein hat 2 Dreißiger!

 
     
 

Bist du verwirrt? Denke es noch einmal in Ruhe durch. Kannst du mir sagen, warum der "Dreißiger" Dreißiger heißt? Überlege einmal wie viel Dreißiger auf einen Metzen kommen. Schau dir dazu meine Grafik rechts am Seitenrand an. Du bist ja Klasse! Richtig! Ein Metzen hat 32 Dreißiger. Jetzt weißt du es. Unsere Altvorderen haben es nicht so genau genommen. Der Dreißiger hätte eigentlich Zweiunddreißiger heißen müssen.

Eieieieiei! Du verstehst "Altvorderen" nicht. Es sind die Alten, die vor dir auf der Welt waren. Der Vater des Großvaters vom Großvater ist ein Altvorderer., aber dein Großvater auch.

Hast du eine Ahnung wie die Handwerker hießen, die solche Hohlmaße aus Holz wie Scheffel, Metzen, Viertel, Mäßlein und Dreißiger hergestellt haben? Schau auf den linken Rand!

Wenn du das alles gelesen hast, und am Besten sogar mehrmals, bist du sicher leicht verwirrt. Konzentrieren wir uns wieder auf die Aufgabe. Um sie zu lösen musst du dich zunächst auf den Zusammenhang zwischen den Größen "Scheffel", "Viertel" und "Mäßlein" konzentrieren. Gib die Antwort in Vierteln, Mäßlein und Dreißigern und dann rechne es in Liter um.

Bei all diesen Aufgaben ist es unbedingt notwendig, dass du die einzelnen Rechenschritte sauber darstellst und sie so beschriftest, dass sie leicht nachzuvollziehen sind.

Der Weg ist das Ziel!

 
     
 

Aufgabe 2

Wie viele Kugeln kann man aus 14 Zentnern 88 Pfund Blei gießen, wenn jede Kugel 1 Loth 2 Quint wiegen soll?

Du dankst dem Herrn, dass du eigentlich im Jahre 2004 lebst. Es hilft dir nur bedingt, denn du kommst nicht umhin, dich mit den alten bayerischen Gewichtseinheiten auseinander- zusetzen. Hier geht es um Zentner, Pfund, Loth und Quint. Du glaubst zu wissen, was Zentner und Pfund sind? Täusche dich nicht nicht, es sind 160 Jahre vergangen. Aber du hast recht:

1 Zentner = 100 Pfund

Doch im Jahre 1845 hatte das bayerische Pfund 560 Gramm. Also sind 1 Zentner damals und 1 Zentner heute nicht dasselbe.

doch 1 bayer. Pfund = 560 Gramm

daher damals 1 Zentner = 56 Kilogramm

1 bayer. Pfund = 32 Loth = 128 Quint = 512 Pfennig-Gewicht = 7680 Gran

 
 

1 Loth = 17,5 g

| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
| | | |
 
     
 

Ein schwarzer Strich in dem gelben Quint-Feld symbolisiert 1 Pfennig-Gewicht. Die Einteilung in Gran lässt sich leider nicht mehr darstellen.

So jetzt solltest du auch die 2. Aufgabe lösen können.

Aufgabe 3

In einem Magazine sind 3 Zentner 54 Pfund Fleisch und 13 Scheffel 4 Metzen Mehl; wie groß wird die Portion in Fleisch und Mehl, wenn der Vorrath 1200 Portionen geben soll?

Aufgabe 4

Eine Festung soll vom 16ten März 1845 bis zum 5ten Juli 1845 für 1520 Mann verproviantiert werden; was muß der Vorrath seyn, wenn der Mann täglich 14 Loth Fleisch, 1 Dreißiger Mehl und 1 Quart Branntwein erhalten soll?

1 Maßkanne (Maß) = 1,0690 Liter

1 Maß = 2 Halbe (oder Seidel) = 4 Quart (oder Schoppen) = 8 Achterl (oder 8 halbe Schoppen)

1 Schenkeimer = 60 Maß = 64,14 Liter

Aufgabe 5

Wie viel Pulver und Blei braucht man zur Anfertigung von 24 000 Patronen, von denen jede mit 2 Quint Pulver und 1 Kugel zu 1 Loth 2 Quint Blei gefüllt wird?

Aufgabe 6

Was ist das Gewicht eines mit scharfen Infantrie-Patronen gefüllten Verschlags? da in demselben 2016 Patronen sind, jede zu 2 Quint Pulver, 1 Loth 2 Quint Blei und ein 12tels-Bogen Papier; ferner der leere Verschlag 12 Pfund, und ein Buch Papier 15 Loth wiegt.

Beim Papiermaß geht man vom Bogen als Maßeinheit aus.

1 Buch = 24 Bogen (beim Druckpapier 25 Bogen)

Aufgabe 7

Die Patrone der 24pfündigen Belagerungs-Kanone enthält 7 Pfund Pulver, jene der Zündhütchen-Muskete aber 2 Quint; wie viele der letzteren können aus der ersteren gemacht werden?

Aufgabe 8

Wie viele Wägen braucht man, um das für 23 000 Mann auf 4 Tage nöthige Brod zu führen, wenn der Mann täglich 48 Loth Brod erhalten soll, jeder Wagen 450 Laib Brod, zu je 3 Pfund jeden, führen kann?

Die folgenden Aufgaben sind nachträglich ergänzt worden, daher geht es weiter mit

Aufgabe 32

Wie viel Ballen, Rieß, Buch und Bogen Papier braucht man zur Anfertigung von 100000 scharfen Musketen-Patronen, da jede Hülse mit 1/12 Bogen gemacht ist?

Wie du siehst, geht es hier um Papiermaße.

1 Ballen = 10 Rieß
1 Rieß = 20 Buch
1 Buch = 24 Bogen (beim Druckpapier 25 Bogen)

Das Papiermaß "Ries" gibt es heute auch noch. Man versteht darunter 500 Bogen Papier, also genauso viel wie es schon 1845 beim Druckpapier zählte. Das "Ries" ist übrigens eine Verballhornung des arab. "rizma" = "Paket", "Ballen", das nach einer längeren Wanderung durch Europa (span., ital.) auch nach Deutschland kam.

Aufgabe 33

Wie schwer wiegt die mit 48 scharfen Patronen gefüllte Patronentasche, da die leere Tasche 2 Pfund 18 Loth wiegt, dann jede Patrone 8/16 Loth Pulver und eine Kugel enthält, von denen 19 3/4 auf 1 Pfund gehen?

Aufgabe 34

Wie viel Pulver und Blei ist bei 80 000 scharfen Karabiner-Patronen, von denen jede mit 9/16 Loth Pulver und einer Kugel gefüllt ist, die 1 Loth 2 12/25 Quint wiegt?

Aufgabe 35

Der Feuerabgang beim Gießen von Bleikugeln ist 17/25 Loth per Pfund; was ist der Abgang bei 3 Zentner 68 Pfund 18 Loth?

Aufgabe 36

Wie vielmal ist die Muskete schwerer als ihre Kugel? Erstere wiegt 8 1/2 Pfund, letztere 1 Loth 2 12/25 Quint.

Aufgabe 37

Der wie vielte Theil des Gewichtes dieser Kugel ist die zugehörige Ladung von 8/16 Loth Pulver?

Aufgabe 38

Der Zentner Eisen kostet bei den 24 Pfünder Vollkugel 13 fl., bei den 12 Pfünder Granaten 21 fl.; was kostet 1 Pfund dieser Geschoße?

Aufgabe 39

Was kostet daher ein scharfer Schuß des 24 Pfünders (an Eisen und Pulver), wenn die Kugel 20 Pfund 12 Loth wiegt, die Pulverladung 1/3 der Kugelschwere ist, und 1 Pfund Pulver zu 28 kr. verrechnet wird?

 
     
  Lösungen  
     
 
 
     
Diese Seite wurde zuletzt am Mittwoch 16 September, 2009 18:22 geändert.
© 2002 Wolfgang Appell

Free counter and web stats
 

4. Chevaulegers-Regiment
der Königl. Bayer. Armee

 

Folgende Umrechnungen gelten nur für Bayern zwischen 1809 und 1870. Die Angabe beim Scheffel ist exakt. Die Angabe bei den kleineren Hohlmaßen ist auf zwei Kommastellen gerundet. Wenn du 1 Metzen genau in Liter umrechnen willst, musst du mit 222,35/6 rechnen. Bei den anderen kleineren Hohlmaßen solltest du auch immer wieder vom Scheffel ausgehen, weil sonst die Rundungsfehler immer größer werden.

1 Scheffel = 222,35 Liter

1 Metzen = 37,06 Liter

1 Viertel = 18,53 Liter

1 Mäßlein = 2,32 Liter

1 Dreißiger = 1,16 Liter

 

1 Metzen

1 Viertel

1 Mäßlein

   
   
   
   
   
   
   
 

Noch eine Anmerkung für die, die alles genau nehmen und ganz genau wissen wollen.

Für das tägliche Geschäft mit Getreide und Mehl im Bayern des Jahres 1845 galt folgende vereinfachte Maßeinteilung:

1 Scheffel = 6 Metzen
= 12 Viertel = 84 Mäßlein
= 168 Dreißiger

Die gesetzliche Einteilung war aber komplizierter, wurde aber im Geschäftsverkehr so gut wie nicht verwendet.

Ein Metzen wurde in 2 halbe Metzen unterteilt, die man aber 'Viertel' nannte. Den halben Metzen teilte man in 2 Viertelmetzen, die wiederum halbe Viertel genannt wurden. Den Viertelmetzen teilte man in 2 Achtelmetzen, den Achtelmetzen in 2 Sechzehntelmetzen und den Sechzehntelmetzen in 2 Dreißiger. Dies war die gesetzliche Einteilung seit 1809.

Zu erwähnen bleibt noch, dass der Metzen auch zum Messen von Kalk verwendet wurde. Nur musste er hier beim Messen gehäuft werden. Außerdem galt beim Kalk:

1 Muth = 4 Scheffel

Tja, und dann bleibt die bayerische Maß. Unter einer Maß versteht man heute in Bayern 1 Liter Bier. Manche Schankwirte unterliegen dem Irrtum, dass 1 Maß nur ein 3/4 Liter sei. Aber in der guten alten Zeit um 1845 war das ganz anders.

Auf einen Scheffel kamen 208 Maßkannen oder kürzer Maß. Kannst du mir ausrechnen wie viele Liter dieses alte bayerische "Maß" hat?

Allen meinen erwachsenen Mathe-Fans kann ich nur empfehlen, sollten sie einmal nach Erlangen zur Bergkirchweih kommen, den Storchenbräu-Keller aufzusuchen. Dort wird noch die alte bayerische Maß ausgeschenkt.

 
 

Freiwilliger Jäger der bayerischen Infantrie, diese waren zu besonderen Bataillonen zusammegefasst und aus ihnen wurde im Nov. 1815 das 1. Jäger-Btl. aufgestellt. Jäger waren damals so etwas wie eine Spezialtruppe, genauso wie heute die Gebirgsjäger bei der Bundeswehr.

Die aus Forstamts Anwärtern und Jagdgehilfen rekrutierte Jägertruppe konnte für sich in Anspruch nehmen, die erste Scharf-Schützentruppe der Militärgeschichte zu sein. Dänemarks König Christian IV. und der hessische Landgraf Wilhelm V von Kassel kamen im 30 jährigen Krieg wohl als erste auf die Idee, ihre Jagdburschen und fürstlichen Waldhüter mitsamt ihrer grünen Kluft und ihren ,,geschraubten Puchsen" zur Fahne zu rufen. Andere Fürsten folgten bald dem erfolgverheissenden Vorbild. Spätestens gegen Mitte des 18. Jahrhunderts konnten neben militärischen Großmächten wie Österreich, Bayern und Preußen auch kleinere Armeen, etwa die von Ansbach-Bayreuth oder Württemberg Jäger ins Feld schicken.

So ein Jagdstutzen (Gewehr des Jägers) hatte einen gezogenen Lauf, d.h. die Kugel bekam einen Drall mit. Damit konnte man viel treffsicherer schießen, als mit der Muskete des Infantristen.

Das treffsichere Feuer der unter Ausnutzung von jeder Deckung als Einzelkämpfer operierenden Elite sorgte bald für Furcht und Schrecken unter den Gegnern. Der normale Musketier, ein Söldner im Dienst seines Fürsten, in Reih und Glied unter der oft despotischen Fuchtel seines Sergeanten oder Offiziers stehend, schoss seine glattrohrige Muskete mehr oder weniger ins Blaue ab. Denn es kam auf die Salvenwirkung der Kompanie- oder Bataillonsfront an, nicht auf gezieltes Einzelfeuer.

Anders bei den Jägern, die als Freiwillige dienten und nach Abschluss ihrer Verpflichtung Aussicht auf eine respektable Forststelle am Hofe hatten. In den wenigen Jäger-Regimentern schlug und beschimpfte man die Soldaten nicht wie Leibeigene, selbst im strengen Preußen redeten Offiziere ihre Jäger als ,,Messieurs" an. Intelligenz war gefragt und Eigeninitiative, denn die Fußjäger sollten wie ihre berittenen Kameraden als Einzelne oder in Paaren auch Späh­ und Vorposten-Dienste durchführen können.

Ähnlich wie bei der Treibjagd dirigierten die Unterführer ihre Schützen in der Schlacht beim aufgelösten Gefecht mit Hornsignalen und Trillerpfeifen. Das Signalhorn diente vielen Einheiten als Erkennungssymbol. Verbundenheit mit dem Weidwerk auch beim Seitengewehr: Die Jägertrup­pe trug kein Dreikant- Tüllenbajonett oder einen Kurzsäbel, sondern einen Hirschfänger, der um 1800 schließlich auch über einen Kasten am Griff oder Haken am Lauf aufgepflanzt werden konnte.

Die meisten Rekruten beherrschten schon vor Eintritt in die grüngekleidete Truppe den Umgang mit der Büchse. Viele waren Söhne von Förstern oder bei Hofjägern in die Lehre gegangen. Nach der Grundausbildung war jeder von ihnen in der Lage, so beschrieb es anno 1862 der Militärhistoriker Wilhelm von Ploennis, ,,auf 80 bis 100 Schritt die Hand, auf 150 Schritt den Kopf, auf 200 Schritt die Brust eines Mannes zu treffen".

Mit einer Muskete mit ihrem glatten Lauf konnte man so etwas natürlich nicht erreichen. Nach preußischen, bayerischen und französischen Versuchen war die Treffähigkeit auf eine Pelotonfront, also Abteilung zusammen schießender Soldaten (dargestellt an einer Scheibe von 30 m Länge und 2 in Höhe), bei 75 m Entfernung = 60 Prozent, bei 150 m = 40 Prozent, auf 225 m noch 25 Prozent und auf 300 m gar nur 20 Prozent der abgegebenen Schüsse.

Ganz oben der Chevauleger hat einen Karabiner, das ist ein kurzläufiges Reitergewehr, wie stutzen und Muskete auch ein Vorderlader. Dort siehst du auch wo der Karabinerhaken herkommt und wozu er diente.